| KOMPONISTINNEN* PIANO MARATHON | |
|---|---|
| Zeit |
Samstag 28. Februar 2026
13:00 – 19:00 |
| Venue |
Z3
Kanonengasse 18B CH – 8004 Zürich |
| Genre | Konzert |
| Teilnehmende | |
| Programm | AUF DER BÜHNE Fidan Aghayeva-Edler – Klavier AKTUALISIERTES PROGRAMM / FÜR WERKKOMMENTARE BITTE NACH UNTEN SCROLLEN KOMPOSITIONEN VON Asia Ahmetjanova, Anna Bon di Venezia, Mel Bonis, Henriëtte Bosmans, Lili Boulanger, Diana Čemerytė, Carolyn Chen, Chaya Czernowin, Elisabetta de Gambarini, Odaline de la Martinez, Marti Epstein, inti figgis-vizueta, Konstantia Gourzi, Rahilia Hasanova, Elisabeth Jacquet de la Guerre, Hannah Kendall, Vanessa Lann, Liza Lim, Clare Loveday, Dariya Maminova, Ursula Mamlok, Bunita Marcus, Meredith Monk, Naomi Pinnock, Katharina Rosenberger, Kaija Saariaho, Sarvenaz Safari, Clara Schumann, Julia Schwartz, Caroline Shaw, Verdina Shlonsky, Linda Catlin Smith, Jobina Tinnemans, Aleksandra Vrebalov & Theresa Wong. |
| Beschreibung | Die Pianistin Fidan Aghayeva-Edler forscht seit Jahren nach vergessenen Klavierwerken von Komponistinnen* und vergibt Aufträge für ihr Instrument, um die Stimmen von Komponistinnen* im Konzertbetrieb zu stärken. In Marathonkonzerten von bis zu 24 Stunden bringt sie dieses Repertoire zur Aufführung – immer im Wechsel mit Beiträgen der Schauspielerin Mareike Hein, die Texte rezitiert, zur Musik live eigene Zeichnungen entstehen lässt oder das Publikum zu kleinen Intermezzi einlädt. Dabei entsteht ein scheinbar zeitloser Raum, in dem die Werke der Komponistinnen* sich endlich voll entfalten können. TICKETS TAGESPASS INFO & BARRIEREFREIHEIT Eingeschränkt rollstuhlgängig (WC im Aussenbereich) Das Ticket ist gültig für den gesamten Marathon. Die Veranstaltung kann jederzeit verlassen und mit dem gleichen Ticket wieder betreten werden. Eingeschränkt rollstuhlgängig (WC im Aussenbereich) |
| Beschreibung | Asia Ahmetjanova: «Più Piano» (2026) In Anlehnung an György Kurtágs «Játékok», jedoch mit vollständig neuen ästhetischen und konzeptionellen Ansätzen entstand ein Zyklus kurzer Stücke – hauptsächlich Klavierwerke, ergänzt durch Performance- und Audioscore-Musikstücke. Das Projekt funktioniert sowohl als künstlerisch geschlossenes Grosswerk alsauch als pädagogisch nutzbares Repertoire auf fortgeschrittenem Niveau. Theresa Wong: «She Dances Naked Under Palm Trees» (2019) «No Images» (1926) von William Waring Cuney She does not know Die Melodie im ersten Teil dieses Stücks ist ein Zitat aus Nina Simones Vertonung dieses Gedichts: «Images» von 1964. Odaline de la Martinez: «Studies in Rhythm: I. Distant Drums II. 3s & 4s III. Simple Melody IV. Con Salsa» (2024) «Studies in Rhythm» besteht aus vier Etüden. Die erste – «Distant Drums» – verwendet Rhythmen im tiefsten Bereich der Klaviatur und imitiert den Klang von Trommeln. «3s and 4s» – die Etüde spielt mit der Idee von punktierten Rhythmen und Quarten. «Simple Melody» verlangt von der Pianistin zweierlei: Mit der rechten Hand spielt sie die Melodie, die in Quintolen geschrieben ist. Die linke Hand spielt hingegen Triolen. «Con Salsa» stellt den Cha-Cha-Cha-Rhythmus mit wechselnden Metren und Akzenten in einer aufsteigenden Tonleiter gegenüber. Chaya Czernowin: «fardanceCLOSE» (2012/2020) Was ist das für ein Tanz? Ist es der Tanz, der aus der Ferne kommt, dessen Überreste zu verworren sind, um sie zu entschlüsseln, der von einer Windböe herangetragen wird, während man allein dasteht und einer weit entfernten Party in der Nacht lauscht? Oder ist es der Tanz, der so nah ist, dass das schwere Stampfen die Ohren auf ein verzerrtes, sich wiederholendes Detail fixiert? Keiner der beiden ist für die Beine tanzbar – aber beide Tänze möchten mit der Fantasie tanzen und führen Vorstellungen von Distanz und Nähe in die Irre. Meredith Monk: «Paris» (1972) «Paris» wirkt aufgrund seines intimen, stimmhaften und bildhaften Stils sowie seiner klaren Verwurzelung in Monks Gesangsstücken wie ein «Lied». Verdina Shlonsky: «Pages from the Diary: I. Dream, II. Vision, III. Grotesque, IV. Song, V. Meditation, IX. Merry-Go-Round» (1949) Verdina Shlonsky (1905–1990) ist sowohl professionellen Musiker:innen als auch dem breiten Publikum weitgehend unbekannt. In Krementschuk im Russischen Reich geboren, konnte sie ihre musikalische Ausbildung in Wien fortsetzen, als ihre Familie 1921 nach Palästina zog. Anschliessend studierte sie in Berlin bei Arthur Schnabel und Egon Petri. Neun Jahre später fasste sie den Entschluss, sich der Komposition zu widmen. Sie ging nach Paris, um weitere fünf Jahre bei Nadia Boulanger, Max Deutsch und Edgar Varèse zu studieren. Seit dieser Zeit führte sie Korrespondenzen mit führenden Künstlern in Europa, u. a. mit Pierre Boulez, Marc Chagall, Henri Dutilleux, Georges Enesco, Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin, Darius Milhaud und Igor Strawinsky. Während der Kriegsjahre lebte sie zuerst in London und verdiente ihren Unterhalt als Näherin und Café-Pianistin. 1944 zog sie nach Tel Aviv um. Ursula Mamlok «2000 Notes: Nr. 3» (2000) Im Jahr 2000 komponierte die 1939 aus Deutschland emigrierte und seit 2006 wieder in Berlin lebende Komponistin dieses sieben Minuten lange Klavierstück. Eines ihrer Hauptwerke ist «Constellations» (1991) für grosses Orchester, ein Auftragswerk der San Francisco Symphony, uraufgeführt unter der Leitung von Herbert Blomstedt. Mamloks «2000 Notes» aus dem Jahr 2000 ist eine vierteilige Suite von ausserordentlicher Klarheit und ausgewogenem Klang. Sie zeichnet sich aus durch einen komplexen Rhythmus, der organisch mit der Hauptstruktur der Sätze verwoben ist. Die vier Sätze sind in nahezu klassischer Form komponiert: es treten in Miniaturform ein Sonatenallegro, ein Scherzo, ein langsamer Satz und ein Finale auf. Durch die Positionierung des Scherzos an zweiter Stelle wird der langsame Satz zum Mittelpunkt des Zyklus. Henriëtte Bosmans: «Zes Preludes: Nr. 1, 2, 4» (1917–1918) Henriëtte Bosmans war eine niederländische Komponistin und Pianistin, deren Tonsprache von expressiver Dichte, dramatischer Zuspitzung und oft düsterer Grundstimmung geprägt ist. Ihr Klavierzyklus «Zes Preludes» wirkt in seiner klanglichen Intensität und emotionalen Verdichtung als künstlerischer Nachhall der Erschütterungen des Ersten Weltkriegs und entfaltet eine spannungsreiche, ernsthafte Klangwelt. Hannah Kendall: «Processional» (2018) «Processional» ist inspiriert von Norman Lewis' gleichnamigen Kunstwerk (1965), das eine abstrakte Darstellung des Marsches von Selma nach Montgomery im Jahr 1965 ist. Lewis vermittelt die Energie des langsamen Marsches durch eine Reihe weisser Striche, die die Marschierenden innerhalb eines sich in der Mitte verbreiternden Bandes darstellen; wie ein Lichtstrahl, während die Prozession an Länge und Anzahl zunimmt. Vanessa Lann: «Recalling Chimes» (1998) «Recalling Chimes» wurde für ein Projekt geschrieben, das sich mit der Toccata als Kompositionsform befasste. Frühe Toccaten für Tasteninstrumente (Frescobaldi usw.) waren freie, fantasieartige Stücke, in denen das Begleitinstrument (Cembalo) vor dem Einsatz der Solistin in einem Konzert präsentiert oder «angespielt» werden konnte. Die Tonart des folgenden Stücks wurde durch wiederholte Akkorde und melodische Figurationen vorweggenommen; noch wichtiger war jedoch, dass die Klangwelt und Atmosphäre des Instruments erkundet wurden. inti figgis-vizueta: «a bridge between starshine and clay» (2018) Im Kern ist «a bridge between starshine and clay» genau das, was der Titel sagt. Es handelt sich um ein Werk, das die Berührungspunkte zwischen den Gegensätzen, aus denen es entsteht, unterstreicht. Aber durch die Verbindung der Interaktionen zwischen linker und rechter Hand, tiefen und hohen Tonlagen oder Interpret und Instrument werden diese Gegensätze als falsch entlarvt – eine Brücke, die verbindet, aber auch auflöst. Dariya Maminova: «Muschel II» (2020) Dieses Stück ist eine Reflexion über Osip Mandelstams Gedicht «Die Muschel». «Die zerbrechlichen Wände dieser Muschel sind das Zuhause eines unbewohnten Herzens. Und es wird die Zeit kommen, in der das Universum diese Wände mit Nebel, Meer und Regen füllen wird…» – so formuliert es Mandelstam in seinem Gedicht. In diesem Stück sehe ich das Bild dieser leeren Muschel. Eine Muschel als eine Art Gefäss. Es ist noch nicht gefüllt. Form ohne Inhalt. Ein Vergleich mit dem Herzen. Dieses Herz ist bereits lebendig, es schlägt. Darin ist der Beginn des Lebens enthalten. Carolyn Chen: «Tearing (b)» (2018) Das Stück entnimmt Fragmente seines musikalischen Materials aus dem ersten Präludium von Alexander Skrjabins Opus 74. Linda Catlin Smith: «Nocturnes and Chorales» (2013) Ein Werk für Klavier solo für Eve Egoyan. Es besteht aus einer Reihe von neun kurzen Sätzen. Während ich komponierte, entwickelten sich diese Sätze entweder nocturne- oder choralartig. Im Mittelpunkt der Musik steht die Stimme des Klaviers, seine Resonanz und sein Charakter, die Art und Weise, wie beispielsweise die mittlere Stimmen in einem Choral wirken, oder die Art und Weise, wie Melodie und Arpeggien eine Landschaft schaffen können. Beim Komponieren hatte ich Frédéric Chopin und Erik Satie im Hinterkopf, ebenso wie Michael Finnissy, dessen Klaviermusik Eve Egoyan gefördert hat. Kaija Saariaho: «Prelude» (2006) «Prelude» was composed for long-time collaborator Tuija Hakkila as a development of the piano part of the song cycle Quatre instants (especially its beginning, hence the title), which Tuija had premiered with soprano Karita Mattila in 2003. Much like the source work, Prelude explores the passionate obsession for a pulsating idee fixe that never gets a release or resolution. The work is a ‘prelude’ also in exposing ideas of sustained rhythmical flow, idiomatic to the instrument, that Kaija explored further in her ulterior piano writing in chamber music works, and beyond. Jobina Tinnemans: «Salomé» (2019) In many traditions Salomé, daughter of princess Herodias and Herod II, is depicted at worst as a dangerous seductress and otherwise as foolish. In the New Testament she is a nameless girl, but throughout the centuries she has always «pleased Herod and his guests» with her dancing. What about Salomé herself? Maybe she simply liked to dance. Feel the rhythm. Mel Bonis: «Salomé» (1909) In 2003, under the title Femmes de légende (Women of Legend), Christine Géliot gathered seven pieces for piano composed over some fifteen years. Phoebé, Viviane and Salomé had been published in 1909 by Leduc, who also brought out Desdémona in 1913, and then Mélisande in 1925 (the work may in fact have been composed in 1898). Omphale, on the other hand, entered Simrock’s catalogue in 1910, after having been selected for the competition organized by the Berlin periodical Signale für die musikalische Welt. Ophélie, composed in 1909, remained unpublished throughout the composer’s lifetime, and was first published by Armiane in 1998. Orchestral versions also exist of Salomé and Ophélie. Though Mel Bonis never thought of these pieces as a cycle, the subjects she chose were ideal as a collection. She probably projected herself onto these female figures drawn from ancient mythology, legends or dramatic works. She depicts them with a very personal poetry, in pieces that count among the greatest of her piano works: Phoebé and Mélisande dream in a nocturnal mood, Desdémona pours out her melancholy in hushed tones, and Ophélie seems to float on the waters that are about to drown her. By contrast with these evanescent women, who are often the victims of men’s aberrations, the others are charmers: Viviane dances with a jaunty liveliness, while the sensual, mysterious Salomé is more impulsive (reminding one of the heroine of Strauss’s opera, which had been performed in Paris in 1907) and Omphale uses all the ploys of seduction, from whimsical cajolery to passionate arousal. Elisabeth Jacquet de la Guerre: «Pieces de clavecin, Suite d-moll: Chaconne» (1707) «Die Französische Komponistin Elisabeth Jacquet de la Guerre veranstaltete regelmässig eigene Konzerte in ihrer Wohnung, zu denen alle grossen Musiker und Kenner kamen, um ihr Cembalospiel zu hören: Sie hatte eine wunderbare Gabe, aus dem Stegreif zu präludieren und zu fantasieren, und manchmal extemporierte sie sogar eine halbe Stunde lang ein Präludium und eine Fantasie mit so abwechslungsreichen Melodien und Harmonien und mit einem so erlesenen Geschmack, dass das Publikum ganz entzückt war. Man kann sagen, dass noch niemals eine Person ihres Geschlechts so grosse Fähigkeiten in der Komposition hatte wie sie und in der bewundernswerten Art, wie sie Cembalo und Orgel spielte.» – Titon du Tillet Sarvenaz Safari: «Password» (2025) Die Idee des «Passieren-dürfens» bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt der Komposition «Password» für Klavier solo. Das «Passwort» repräsentiert als Phänomen dieses Jahrhunderts einerseits das Banale und Alltägliche und andererseits steht es, symbolisch und historisch gesehen, für verschiedene Gegensatzpaare: etwa das Fremde und Nicht-Fremde oder das Berechtigte und Unberechtigte. «Password» nimmt diverse Kombinationsmöglichkeiten des «Passierens» als Herausforderung für die klangliche Darstellung der Thematik: Wer den richtigen Code kennt, hat das Privileg zum Öffnen. Clare Loveday: «Meeting Point» (2025) Zwei scheinbar gegensätzliche Ideen verschmelzen möglicherweise nie zu einer einzigen, können aber einen gemeinsamen Treffpunkt finden, an dem jede hörbar und die andere ergänzt wird. Julia Schwartz: «Cells Emerging and Colliding» (2021) In «Cells Emerging and Colliding» geht es um Episoden, die aus motivischen Zellen entstehen, ineinander fliessen, miteinander kollidieren oder auch ins Leere laufen. Manchmal passieren die Kollisionen zwischen den beiden Händen oder die Rhythmen prallen aneinander ab. Die letzte Episode erinnert an die erste. Das Werk endet wie ein Manifest, nachdem die Musik durch unheimliche, skeptische, forschende und ekstatische Stimmungen geflossen ist. Clara Schumann: «Variationen Op. 20» (1853) Variationen über ein Thema von Robert Schumann, ihm gewidmet. Konstantia Gourzi: «Piano Pieces I–V Op. 24» (2004) «piano piece I - no 24» «Piano Pieces I–V Op. 24» besteht aus fünf Miniaturen, die Bruchteile oder Abschnitte einer irrealen Geschichte sind. Die Geschichte erstreckt sich über 17 Jahre in aphoristischen Gedanken, die wie ein Hauch vorbeigehen. Das erste und das letzte Stück sollen jeweils als Prolog und Epilog der Komposition wirken und die Stücke zwei, drei und vier erklingen wie Momentaufnahmen dreier verschiedener Erlebnisse. Marti Epstein: «The Piano at the Palace Beautiful» (2019) This piece was written on request of Donald Berman which was to be a response to «Little Women» by Louisa May Alcott. What a fitting request this was, as «Little Women» was a book I read many, many times when I was a child. Liza Lim: «Four Seasons: Winter» (2009) I spent time at the Museum of Modern Art in New York in January 2007 and was very inspired by the works by Cy Twombly on display, in particular, the massive four-panelled work «Quattro Stagioni». The combination of ecstatic saturated colour, linear calligraphic dynamism and and paint washes veiling poetic commentaries scrawled on canvas, gave me many ideas for a piano cycle in four parts. These «seasons» are seasons of an inner life – they are made up of «climates of feeling» – weather patterns that are sometimes extravagantly baroque in expression or shot through with an elegaic sense of the passage of time opening out to a ceremonial dance: a «Sema» or the Sufi’s meditative whirling dance of union. Diana Čemerytė: «Still» (2004) Ein Gedanke hat mich bei der Komposition «Still» geleitet: der Versuch, die musikalische Sprache so zu reduzieren, dass sich nur die Pausen und einzelnen Noten als die wichtigsten Komponenten ergeben. Die Bewunderung der Stille als die schönste Musik überhaupt - das ist die Basis dieser Komposition. Bunita Marcus: «Sugar Cubes» (1996) Für John Cage. Aleksandra Vrebalov: «Danube Etude» (2021) A radical reconception of the «Étude». All that is left of the strict discipline of the «study» is a rising figure, the first five notes of a C minor scale, that is repeated throughout almost the whole piece. Fragments of melody fly above and around this ostinato, sometimes growing, sometimes dissolving and, just before the piece finishes, briefly overwhelming it. – Christopher Fox Katharina Rosenberger: «ahom» (2002) «ahom» wurde während eines Sommeraufenthalts an der Mittelmeerküste in einem alten, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kloster komponiert. Fasziniert von diesem geschichtsträchtigen Ort mit seinen weitläufigen Fluren und gewundenen Treppen, die die Zeit festzuhalten schienen, beschloss ich, mit der vorhandenen Akustik und den Resonanzen der Architektur zu arbeiten. Lili Boulanger: «Thème et Variations» (1915) Das von Lili Boulangers Biographin Léonie Rosenstiel Anfang der 80er-Jahre des XX. Jahrhunderts zwischen Deckel und Vorderblatt eines Skizzenbuches wiederentdeckte Manuskript trägt die Datierung «Terminé le Vendredi 12, copié le Samedi 12 juin». Dem immerwährenden Kalender nach kann es sich dabei nur um das Jahr 1915 handeln. Das wechselhafte Schriftbild deutet auf zwei Arbeitsphasen hin; die meisten spieltechnischen Bezeichnungen sind später hinzugefügt worden. Von Nadia Boulanger können sie nicht stammen, denn sie war laut Rosenstiel von der Reinschrift des bis dahin unvollendet geglaubten Werkes selbst überrascht. Das Manuskript ist übersät mit analytischen Verweisen, die die Veränderungen aller Bausteine des Themas beschreiben. Die Komposition hat Boulanger viel Mühe gekostet; davon zeugt ein notiertes «Ouf!» am Ende der letzten Seite. Das etwa zehnminütige Werk hat den Charakter eines gross angelegten Trauermarsches und wirkt in vielem wie eine Skizze zu einem Orchesterwerk. – Benjamin-Gunnar Chors Rahilia Hasanova: «Jasmine Petals: I, II, V» (1998) «Jasmine Petals» is a piano cycle of seven colorful emotional miniatures. Impressed by my own thoughts about fugitiveness and fragility of our lives, full of unexpected changes and disappointments, sad or joyful shakes I composed these seven reflections. The contemplation of beauty and gentleness of jasmine flowers, coming and vanishing recalling fulfill the sounding of these pieces. They are individualized regarding their textures and forms. But actually they are short improvisations that relatively express my feelings, disappearing through space measurements and time, like drying and dropping down jasmine petals. Two miniatures of the cycle, miniatures V and VII, represent an idea of clocks that accompany us from our childhood to the end. As getting dry jasmine flowers loose its petals as time shrinking out day-byday… minute-by-minute… Caroline Shaw: «Gustave Le Grey» (2012) Frédéric Chopin’s opus 17 in A minor, «Mazurka», is exquisite. The opening alone contains a potent poetic balance between the viscosity and density of the descending harmonic progression and the floating onion skin of the loose, chromatic melody above. Or, in fewer words – it’s very prosciutto and mint. When someone asks me, «So what is your music like?» – I’ll sometimes answer (depending on who’s asking), «Kind of like sashimi?» That is, it’s often made of chords and sequences presented in their raw, naked, preciously unadorned state – vividly fresh and new, yet utterly familiar. Chopin is a different type of chef. He covers much more harmonic real estate than I do, and his sequences are more varied and inventive. He weaves a textured narrative through his harmony that takes you through different characters and landscapes, whereas I’d sometimes be happy listening to a single well-framed, perfectly voiced triad. But the frame is the hard part – designing the perfectly attuned and legible internal system of logic and memory that is strong but subtle enough to support an authentic emotional experience of return. (Not to get all Proustian or anything.) In some way that I can’t really understand or articulate yet, photographs can do this with a remarkable economy of means. Translating that elusive syntax into music is an interesting challenge. Then again, sometimes music is just music. «Gustave Le Gray» is a multi-layered portrait of opus 17, number 4 using some of Chopin’s ingredients overlaid and hinged together with my own. Naomi Pinnock: «Lines and Spaces: Space I, Line I, Space II On a Clear Day, Line II, Space III Song, Line III» (2015) Whilst composing these miniatures I kept coming back to Agnes Martin’s exquisitely simple paintings. They have shown me over and over again how much is possible with lines and spaces. They are just grids and lines, and yet they evoke much more with the delicate layering of paint and beautiful imperfections. These miniatures fluctuate between compressing or expanding, creating a bold line or subtle bands of faint colours. Elisabetta de Gambarini: «Sonata III Op. 1: I. Allegro moderato, II. Adagio, III. Minuet» (1748) Elisabetta de Gambarini war eine englische Komponistin, Mezzosopranistin, Organistin, Cembalistin, Pianistin, Dirigentin und Malerin. Gambarinis musikalisches Werk wird dem Spätbarock und der Klassik zugeordnet. Sie erlangte Berühmtheit als Musikerin, da sie sowohl für eine Vielzahl von Instrumenten komponierte als auch spielte und sang. Gambarini war die erste Komponistin im Königreich Grossbritannien, die ihre Kompositionen, eine Sammlung von Werken für Tasteninstrumente, veröffentlichte. |
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| Photo Credit | Lea Hopp |
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